Dr. Stefan Bültmann Facharzt für Augenheilkunde

Privatarzt

Erkrankungen der Makula 2


Fluoreszenzangiografie - oder weshalb eine feuchte Makuladegeneration "feucht" ist.


Der Fachbegriff der "feuchten altersbedingten Malergeneration" (wAMD) verunsichert viele, die das mit einem feuchten oder tränenden Auge assoziieren. Die beiden Begriffe haben nichts miteinander zu tun. Der Terminus "feucht" (engl.: wet) stammt auf der Fluoreszenzangiografie und bringt zum Ausdruck, dass die Bildgebung nicht „trocken“ ist, also dass während der Untersuchung Farbstoff aus den Gefäßen des Auges austritt oder sich neu gebildete krankhafte Gefäße darstellen. Bei letzteren ist die Blut-Netzhaut-Schranke gestört, sodass auch hier Flüssigkeit aus der Blutbahn in die Schichten der Netzhaut austritt und diese z. B. aufquillt – vergleichbar zu einer nassen Sperholzplatte.


1. Bei der wAMD findet eine Neubildung von Gefäßen statt, die a) nicht dorthin gehören und b) von minderer Dichtigkeit sind. Man kann das mit einer art fehlgeleitetem Wundheilungsprozess vergleichen, der die Netzhaut im Bereich der Makula mehr zerstört, anstatt zu heilen. Oder man stellt sich einen Löwenzahn vor, der durch einen Riß in einem Asphaltboden nach oben wächst und seine Wurzeln in der Tiefe verankert.

Bleibt man bei dieser Allegorie, erklärt sich auch, weshalb bei einer wAMD zur Behandlung Substanzen ins Auge eingebracht werden (intravitale Injektion = IVOM), die darauf abzielen, das Gefäßwachstum zu hemmen. Sie neutralisieren den Gefäßwachstumsfaktor VEGF (vascular endothelial growth factor) und wirken – um in unserem Bild mit dem Löwenzahn zu bleiben – wie eine Art „Unkrautvernichter“. Die Schäden am Asphalt werden dadurch nicht rückgängig gemacht, aber das Fortschreiten gebremst oder gestoppt.


2. Bei der trockenen AMD bilden sich keine neuen Gefäße, sondern die Pigmentschicht erleidet einen Schaden, etwa vergleichbar zur Reflexionsschicht eines Spiegels, die Flecken bekommt, stumpf wird und dann das Licht punktuell nicht mehr reflektiert.


3. Auch nach Gefäßverschlüssen oder bei einer diabetischen Netzhauterkrankung bilden sich unerwünschte neue Gefäße, oftmals von Arealen ausgehend, die nicht durchblutet sind. Durchblutung kann man mittels einer Gefäßdarstellung (Angiografie) sichtbar machen und überprüfen.

In der Augenheilkunde benötigen wir hier weder Röntgenstrahlung noch Kontrastmittel. Wir setzen dazu den gelben Farbstoff Fluoreszein ein, der auch zur Anfärbung des Tränenfilms und bei der Augendruckmessung verwendet wird. Spritzt man ihn in eine Vene am Arm, dann gelangt er nach wenigen Herzschlägen in den gesamten Körper und auch ins Auge.


Zunächst flutet er in den Arterien an und fließt dann aus den Netzhautkapillaren zurück in die Venen. Diesen Zeitverlauf bildet man mit Bilderserien am Laserscanner ab, der das Fluoreszein zum Leuchten bringt. Wie alle Substanzen, die man in eine Vene spritzt, kann es hierbei mal zu einer Unverträglichkeit kommen, selten zu einem allergischen Schock. Eine sinnvolle Indikation zur Untersuchung überwiegt jedoch das potenzielle Risiko bei weitem. In einigen Fällen kann man auch eine digitale Angiografie mittels OCT-Scan einsetzen, die jedoch keine stehenden Flüssigkeiten zur Darstellung bringt.


Beispielhaft ist eine Sequenz dargestellt, bei der ein Leckagepunkt (Quellpunkt bei Retinopathia centralis serosa, RCS, CCS) zur Darstellung kommt. Zunächst füllen sich die Arterien, dann die Venen und die Hintergrundfluoreszenz steigt an. Erst etwas später (ca. 1:45 Minuten) ahnt man den Quellpunkt, der nach ca. 10 Minuten als leuchtender Klecks zurückbleibt.

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